RING Halle Ludwigshafen/Ring2013

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Das Rheingold

„Das Rheingold“, der sogenannte Vorabend zu Wagners Tetralogie „Der Ring des Nibelungen“, gilt gemeinhin als der leichtgewichtigste Teil. Wagner-Kenner nehmen diese Welt der Götter, Fabel- und Fantasiewesen natürlich mit einem großen Faszinosum hin, Wagner-Debütanten hingegen, die Hansgünther Heyme mit seiner Interpretation nun insbesondere zu erreichen beabsichtigt, mögen all diese bemerkenswerten, um nicht zu sagen merkwürdigen Figuren zunächst Rätsel aufgeben.

Letzteren sei mit folgenden Worten George Bernard Shaws, der bereits im Jahre 1898 eine brillante, allerdings auch nicht unumstrittene Analyse des Werkes unter dem Titel „The Perfect Wagnerite“ publizierte, Mut zugesprochen: „Vorerst einmal: der ‚Ring‘ mit all seinen Göttern und Riesen und Zwergen, mit den Wasserjungfrauen und Walküren, der Tarnkappe, dem magischen Ring, dem verzauberten Schwert und dem wunderbaren Schatz ist ein Drama der Gegenwart und nicht eines aus ferner und sagenhafter Vorzeit.“ Dass diese Ansicht nicht völlig aus der Luft gegriffen ist, wird von Wagner selbst untermauert, der in seinem Aufsatz „Erkenne dich selbst“ das Zentralsymbol des „Rings“ als „Börsenportefeuille“ und „schauerliches Bild“ der Weltherrschaft des Geldes interpretiert. Und schon sind wir mitten im Heute angelangt.

Zu Beginn des „Rheingold“ herrscht noch das goldene Zeitalter, die Rheintöchter umhegen das Rheingold, an dem sie sich verzückt erfreuen, frei von Spekulation oder Gewinnsucht. Der Friede wird gestört und gefährlich bedroht, als der Zwerg Alberich zu ihnen gelangt, der mit einer gehörigen Portion „brutaler Energie“ ausgestattet ist, wie Shaw es ausdrückt. Das Verrückte ist, dass die Rheintöchter den Raub des Goldes womöglich verhindern könnten, würden sie auf Alberichs Hunger nach Liebe eingehen. Doch sie denken nicht daran, spielen mit seinem Verlangen und vergessen verhängnisvollerweise dabei, dass sie seine Gier damit auf ein anderes Gut lenken, das Gold nämlich. Denn was bleibt ihm noch, nachdem er von ihnen nur Hohn und Spott erntet? Da ihm ihre Liebe versagt bleibt, kann er der Liebe auch abschwören und so zumindest in den Besitz des Goldes kommen. Indem das Gold in die Hände Alberichs gelangt, findet das goldene Zeitalter ein jähes Ende, denn er macht sich sogleich daran, die Macht des Goldes zu nutzen. Er errichtet sich ein kleines Imperium, macht sich seine Artgenossen gefügig und spannt ihre Arbeitskraft für seine Zwecke ein: er bereichert sich, indem er diejenigen, die für ihn arbeiten, skrupellos aussaugt. In Cosimas Tagebüchern gibt es einen Nachweis, demzufolge Wagner „in Alberich und seiner das ganze Nibelungenvolk schindendenden unterirdischen Fabrik den dämonischen Geist des Industriezeitalters chiffrieren wollte.“ (Dieter Borchmeyer)

Hätte es Wagner dabei belassen, wäre der Untergang der Welt nur eine Frage der Zeit; doch in Wotan stellt er ihm einen Antipoden gegenüber, einen so genannten Gott, der Höheres im Sinn hat und nicht nur von sinnlichen Begierden getrieben wird. Er begreift, dass der Zustand der Welt nur unter Kontrolle gehalten werden kann, wenn eine für alle verbindliche soziale Ordnung hergestellt wird. Dementsprechend etabliert Wotan ein Rechtssystem bestehend aus Vorschriften und Verträgen, dessen Einhaltung durch ein aufwändiges Regelwerk gewährleistet werden soll. Nun, da der Katalog an Gesetzen einmal besteht, ist Wotan als Gesetzgeber jedoch auch selbst daran gebunden, will er nicht seine Autorität und die Achtung vor sich selbst verlieren. Doch genau das tut er – er verstößt gegen seine eigenen Gesetze. Er raubt Alberich durch eine List und mit Hilfe von Loge das Gold und rechtfertigt diesen Diebstahl vor sich selbst mit dem moralischen Anspruch, nicht anders zu können als dem Bösen die Macht zu entreißen. In Wahrheit braucht er das Gold, um Frickas Schwester Freia loszukaufen, die er den Riesen Fasolt und Fafner überlassen musste als Pfand. Fasolt und Fafner wollen sich allerdings nun nicht mehr nur mit dem Gold zufrieden geben, zu sehr ist ihnen Freia ans Herz gewachsen. Am Ende wird Wotan nicht nur das Gold, sondern auch Alberichs Tarnkappe und schließlich den Ring los. Aus Raffgier und Neid erschlägt Fafner den eigenen Bruder. Dies zeigt, welch verheerende Wirkung der gerade eben erst erlangte Reichtum hat. Fafner weiß nichts Besseres zu tun, als sich mit seiner Beute aus dem Staub zu machen. Sein Leben ist künftig der Bewachung des Schatzes geweiht und somit wird er zum Sklaven seines errungenen Besitzes.

Was bleibt, ist die Klage der Rheintöchter über das verlorene Gold, ist der Glanz des neu errichteten Walhall, ist die – trotz aller Kratzer, die er sich selbst zugefügt hat – hoffnungsvolle Vision Wotans, dass die Urmutter Erda ihm ein Geschlecht von Helden gebären wird, das die Welt und ihn selbst erlösen werde…

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Eine Koproduktion des Theaters im Pfalzbau Ludwigshafen und der Oper Halle in Kooperation mit der Deutschen Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz.

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